Georg Opdenberg

REISE – EINDRÜCKE

Tanger, Marokko, Stadttor, 9 x 14 cm, 28.04.2017, Nr. 737, Linolschnitt
Tanger, Marokko, Stadttor, 9 x 14 cm, 28.04.2017, Nr. 737, Linolschnitt

Zur Ausstellungseröffnung am Freitag den 9. Juli 2021 von 19 bis 21 Uhr laden wir Sie und Ihre Freunde herzlich ein.

 

VERLÄNGERUNG

Die Ausstellung ist bis zum 3. November 2021 mittwochs von 18 bis 19 Uhr geöffnet und nach telefonischer Vereinbarung.


Der Begriff EINDRÜCKE ist hier in seiner Bedeutung zweifach zu verstehen, zum Einen auf das auf den Reisen Gesehene, Beeindruckende, zum Anderen wie diese flüchtigen Eindrücke in Holz und Linol geschnitten und dann gedruckt und damit fixiert wurden.

Schauen Sie bitte hier dem Künstler bei seiner Arbeit zu: … zum MP4-Video! (3:49 Min.)

Zur Ausstellung erscheint ein kleiner Katalog, in dem aus den zehn Reisen, die er in den letzten zehn Jahren von 2010 – 2020 unternommen hat, jeweils zwei Motive abgebildet sind.
Während der Ausstellung werden auf Wunsch auch einzelne Motive vom Künstler von Hand auf die letzte Katalogseite gedruckt.


Eröffnungsrede zur Ausstellung
Georg Opdenberg Reise-Eindrücke 2010 bis 2020 in Holz und Linol
in der Galerie Meta Weber am 9. Juli 2021 um 19 Uhr
von Michaela Plattenteich

Sehr geehrte Damen und Herren, lieber Georg,
zunächst schicke ich einen Gruß an Meta Weber, die heute leider nicht hier sein kann, ich wünsche ihr von hier aus gute Besserung!
Ich freue mich, heute diese Ausstellung eröffnen zu dürfen, da ich zu ihrer Entstehung auch ein wenig beigetragen habe. Als mir Georg vor wenigen Monaten einige der kleinen Hefte mit seinen Arbeiten zukommen ließ, befanden wir uns noch mitten im Lockdown. Das Wetter war auch nicht besonders gut und umso schöner war es, in diesen Büchern mit Titeln wie „Andalusien“, „Marokko“ oder „Tunesien“ zu blättern. Beim Anblick dieser wunderbaren kleinen Grafiken, die nach Reiseeindrücken entstanden sind, kam bei mir selbst die Erinnerung an die eine oder andere Reise zurück und vor allem an das, was man seit dem Frühjahr 2020 schmerzlich vermisst: das Reisen an sich. Wer hätte vor der Pandemie je daran gedacht, dass von einer sehr selbstverständlichen Freizeitbeschäftigung plötzlich nur mehr ein Gefühl der Sehnsucht übrig bleibt.

So entwickelte sich die Idee einer Ausstellung mit Reiseeindrücken, in der man an Hand der Bilder auf gedankliche Reisen gehen kann.
Das Malen oder Zeichnen von Reiseeindrücken hat in der Kunstgeschichte eine lange Tradition. Erst kürzlich habe ich im Wiener Museum Albertina eine Ausstellung gesehen, in der Künstler von Albrecht Dürer bis Cezanne und Klee ihre Eindrücke von Landschaften und Stadtansichten festgehalten haben.
Auch Georg Opdenberg folgt diesen Spuren. Er ist kein flüchtig konsumierender Tourist, sondern nimmt seine Umgebung mit einem anderen, differenzierten Blick wahr. Seit vielen Jahren reist er nicht ohne Skizzenbücher, in denen er die Eindrücke unmittelbar vor Ort festhält. Anders als beim schnellen Fotografieren ist das Abbild in der Skizze bereits das Ergebnis einer ganz individuellen Sehweise, bei der Dinge, die dem Künstler in diesem Augenblick nicht wichtig erscheinen, weggelassen werden. Dafür wird im Gegenzug vielleicht das ein oder andere Detail besonders betont.

Diese Skizzen, neben Bleistift auch oft kleine Aquarelle, sehen sie in dieser Ausstellung nicht. Stattdessen befindet sich an den Wänden eine Auswahl von Holz-und Linolschnitten, die dann später zu Hause nach den Skizzen entstanden sind. Die Technik dieser beiden Hochdruckverfahren erfordert nochmals eine Reduktion vom Ausgangsmotiv. Allzu kleinteilige Details sind nicht möglich, trotzdem eröffnet jede der beiden Techniken unterschiedliche Möglichkeiten der Gestaltung. Steht bei den Holzschnitten mehr die Komposition von Flächen und Strukturen im Vordergrund, sind es beim Linolschnitt mehr lineare, feingliedrigere Elemente. So sind an einigen Stellen original arabische Schriftzeichen eingearbeitet. Einen besonderen Reiz entfachen die Arbeiten durch das Papier, das der Künstler am liebsten benutzt. Es sind oft alte Buchseiten oder anderes Papier mit Gebrauchsspuren und Charakter. Der harte Schwarzweiß-Kontrast wird dadurch abgemildert, auch die Motive von uralten Landschaften und Architektur harmonieren damit sehr gut. Besondere Akzente setzt Georg Opdenberg mit Farben. Manches, was sie hier sehen, ist mit Farbe gedruckt, manches auch nachträglich coloriert. Vieles wirkt dadurch noch plastischer und lebendiger.
Ein schönes Beispiel ist dafür die Wand, die neun unterschiedliche Ansichten aus Marokko zeigt. Man kann darin über die Dächer von Tanger blicken, bekommt Einblicke in das lebendige Treiben auf einem Basar oder Berbermarkt.

Wenn Sie, liebe Besucher, jetzt gleich selbst auf Entdeckungsreise gehen, können sie ihre Blicke nicht nur über die Landschaften Tunesiens oder die wunderbare maurische Architektur in Sevilla oder den Tempelberg von Jerusalem schweifen lassen. Schauen sie genau hin und Sie entdecken auch das Jagdschloss in Krefeld-Linn oder einen Bagger im Rhein bei Duisburg. Auch wenn diese Blätter schon vor der Pandemie entstanden sind, zeigen sie, dass es sich lohnt, auch vor der eigenen Haustüre einmal genauer hinzusehen.
Und wenn man das alles gesehen hat, bleiben noch immer die Kopfreisen: auch dazu gibt es hier einige besondere Blätter.
Inspiriert von verschiedenen Sammelobjekten aus aller Welt, die er bei sich zu Hause im Schrank hat, hat Georg Opdenberg „eingebildete Kopfreisen“ gemacht.
Darüber hinaus empfehle ich Ihnen sehr, mit ihm ins Gespräch zu kommen, da hinter den Reisen auch ganz wunderbare Geschichten stehen. Ein kleines Beispiel gebe ich Ihnen hier. Als Künstler kann man nicht durch Tunesien reisen, ohne August Macke und Paul Klee im Kopf zu haben. Genau hundert Jahre nach dieser legendären Tunisreise stand Georg Opdenberg vor derselben Tür, die auch schon Macke inspiriert hatte.

Jetzt wünsche ich Ihnen viel Freude bei Ihrer persönlichen Entdeckungsreise und danke für Ihre Aufmerksamkeit!


 

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